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Guerilla Gardening ausgeführt

Guerilla Gardening

Was treibt die Berliner auf die Straßen, oft zu nächtlicher Stunde, um in allen Winkeln und Ecken der Stadt zu gärtnern? Handelt es sich um eine neue Welle „zurück zur Natur“ oder ist es schlicht der Überdruss am ewig gleichförmigen Einerlei der städtischen Begrünungskultur?

Wildes Grün

Das Guerilla Gardening ist nicht neu, es knüpft an eine amerikanische Bewegung der siebziger Jahre an, als man mit wildem Grün in den Städten eine politische Haltung zeigen wollte. Die Gartenpiraten entwickelten spezielle Samenbomben, die auch in Berlin für das Keimen von Stiefmütterchen, Primeln oder Sonnenblumen sorgen. Wer sich auskennt sammelt die Samen bei ländlichen Streifzügen, der rest kauft in der Gärtnerei oder im Internet die gewünschten Samentütchen. Und dies an unscheinbaren Plätzen in Hinterhöfen oder auf Verkehrsinseln, die oft einen trostlosen Anblick bieten. Allerdings schmuggeln sich neben Blumen gelegentlich Cannabispflanzen in den Stadtpark, deren weiterem Gedeihen die Polizei ein schnelles Ende bereitet. Abgesehen davon sind die Berliner scheinbar ganz wild darauf, ihre Stadt illegal zu verschönern.

Kämpfer mit Spaten und Gießkanne

Egal wie die Motivlage der einzelnen ist, es sind mittlerweile viele, die sich dem unerlaubten Gärtnern angeschlossen haben. Für manche mag es stiller Protest gegen die Umweltzerstörung sein, andere haben vielleicht Lust am Übertreten der Verbote und wieder andere sind ganz normale Bürger, die eine blühende Umgebung einfach schöner finden. In jedem Fall sind die Ergebnisse oft sehenswert und bei einem Streifzug durch einige Stadtteile Berlins lassen sich grüne Entdeckungen machen, die vor einigen Jahren nicht denkbar waren. Mini-Gärtchen mit blühenden Blumen, verstreut einige Salatpflanzen, Zucchini oder Kapuzinerkresse, Knöterich, der sich an hässlichen Mauern hochrankt.

Künstler lieben das Projekt ebenfalls, es tauchen immer mehr Moos Graffitis an Berliner Hauswänden auf, eine neue Variante der Street Art, ökologisch einwandfrei. Im Prinzip ist aber Guerilla Gardening mehr Gartenarbeit als Kunst, obwohl sicher einige Berliner einen künstlerischen Anspruch damit verbinden. Große Vorbilder, wie die 7000 Eichen in Kassel von Beuys oder „Das Parlament der Bäume“ an der Berliner Mauer mögen hier anregend sein.

Botschaft Natur

Eine bunte Pflanzenvielfalt und viel Grün hebt die Lebensqualität einer Großstadt. So sind in Berlin brache Flächen mittlerweile gemeinschaftlich in Gärten umgewandelt worden, mitten in der Stadt. Die Aktivisten der Berliner Guerilla Gardening Bewegung wollen einen Beitrag leisten, ihre Stadt zu begrünen und der Natur mehr Raum zu geben. Ein wenig illegal, vielleicht naiv, aber immerhin ein Beitrag zur Veränderung des Lebensraumes Großstadt.

Also Pflanzt ein!

(Bildmaterial     © Streunkleur Groen (SebastIaan ter Burg/Flickr.com, CC BY-SA 2.0)