Drogen und Gewalt: Schon 117 Lokale geschlossen
Kneipen werden immer öfter zum Ort illegaler Geschäfte / Spitzenreiter Kreuzberg und Wedding
Michael Helberg und Matthias Gebauer
Immer mehr Gaststätten in Berlin werden von den zuständigen Bezirksämtern geschlossen. Der Grund: Kneipen dienen immer mehr als Treffpunkte für Kriminelle, die in den Gasträumen ihren illegalen Geschäften nachgehen. Die Gaststättenbetreiber sehen diesem Treiben tatenlos zu oder sind sogar an den Geschäften beteiligt.
Allein in diesem Jahr wurden bereits 117 Gaststätten auf amtliche Anordnung geschlossen. Das sind bereits 17 mehr als im gesamten Vorjahr. In allen Fällen hatten die jeweiligen Wirtschaftsämter schwerwiegende Vergehen festgestellt. Häufig hatte die Polizei in Amtshilfe den Ämtern Hinweise gegeben, daß in den Kneipen entweder mit Drogen gehandelt wurde, Hehlerware an Gäste verkauft oder Prostitution gefördert wurde.
Spitzenreiter bei den Schließungen ist der Bezirk Kreuzberg mit 33 zwangsgeschlossenen Lokalen. Gefolgt von Wedding mit 20 Gaststätten. Der Weddinger Bezirksamtsdirektor Manfred Nowak sagte, daß schon der kleinste Beweis ausreiche, um ein Lokal zu schließen. “Ist die Kneipe erst einmal zu, ist es schwer für den Betreiber, sie wieder zu öffnen.”
Charlottenburg dagegen gehört mit Pankow und Steglitz zu den Bezirken, wo 1997 noch keine Kneipe wegen krimineller Machenschaften dicht machen mußte. Hans Brombosch, stellvertretender Wirtschaftsamtsleiter in Charlottenburg: “Es muß klar erkennbar sein, daß der Wirt über die illegalen Machenschaften in seinem Geschäft Bescheid weiß. Verstöße in unserem Bezirk konnten wir bislang noch keinem nachweisen.” Karl Weißenborn, Geschäftsführer der Hotel-und Gaststätteninnung zu dem Problem: “Die ansteigenden Zahlen sind besorgniserregend.” Kneipen als Orte der Illegalität seien schlecht für das Gewerbe. Wirtschaftssenator Elmar Pieroth ist sich sicher, daß sich das soziale Milieu der Bezirke auch in den Kneipenschließungen widerspiegelt. “Wir werden weiterhin innerhalb unserer Fachaufsicht dafür sorgen, daß die gesetzlichen Regelungen von den Gastwirten eingehalten werden”, sagte der CDU-Politiker.



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