Ich bin ein Jude” – dieser lapidare Satz, den der fremde Held der Geschichte, der Reisende, sagt, kippt das lustigfeine Spiel, das Lessing mit gerade einmal 20 Jahren geschrieben hat, in die bittere Realität unserer eigenen Geschichte.
Lessing benützt durchaus gängige Theaterrequisiten: Eine Dose (nicht ein Brief) setzt die Enthüllungsintrige in Gang. Aber absolut neu, ja, kühn, vorausdenkend ist, wie Lessing seine Hauptfigur zeichnet. Eine Sensation und 1749 zugleich Anlaß für finstere Religionswächter. Zum ersten Mal in der Geschichte des Theaters betritt die Figur eines positiv gezeichneten Juden die Bretter des Welttheaters.
Gotthold Ephraim Lessings Lustspiel über den Antisemitismus ist derzeit in der Inszenierung von George Tabori am Berliner Ensemble zu sehen. So auch heute Abend. Beginn ist um 20:00 Uhr.



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