Berlin-Blog: Das Weblog von Berlinern für Berliner

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Mo
14
Nov '05

Letztens am Alexanderplatz

Letztens am Bahnhof Alexanderplatz musste ich eine erschreckende Feststellung machen.
Da ich noch Zeit hatte, wollte ich mir diese an der hübsch gestalteten Modelleisenbahn vertreiben. Mit ein wenig Kleingeld (Wat heißt ein wenig? – 50 Cent pro Zuch!) kann man da die Züge fahren lassen. Genau das tat ich. Ich war gerade so schön am Staunen da fiel mir ein fürchterliches Detail auf, was mich sofort aus meinem idyllischen Traum hochschrecken ließ. Der kleine Straßenfeger der so hübsch den Dorplatz fegt hat ne SA – Uniform an. Kein Witz: Brauner Anzug, schwarze Stiefel, Mütze, und ne rote Armbinde! Scheiße, ne SA – Uniform, das geht doch nicht!
Werd wohl mal das Bahnhofsmanagement auf seine Entnazifizierung überprüfen.

Typen wie Du und Ick!

Als ich vor etwa einem Jahr im mittlerweile schon geschlossenen Reichelt in der Voltastrasse arbeitete, hatte ich des Öfteren die Möglichkeit meine nicht zu knappe soziale Kompetenz unter Beweis zu stellen. So auch in folgender Situation.
Als ich gerade damit beschäftigt war Getränkekistenschleppenderweise die Getränkeabteilung auf Vordermann zu bringen tippt mir ein arg vollgepullerter und mindestens genauso arg vollgetrunkener Bursche auf die Schulter: „Mein Junge, pass mal uff, ick hab hier noch zwee Euro und weeß nich watt ick für’n Bier koofen soll. Normalerweise koof ick ja immer Stierbier im Netto, dit kost nur 22 Cent, dit habta aber nich. Kannste mir nich wat empfehlen wat billich is und ordentlich knallt?“ – „Klar!“ sagte ich und konnte ihm, da ich selbst passionierter Biertrinker bin, sofort Sternburg Export empfehlen. Zufrieden, und dankbar für meine Hilfsbereitschaft nahm mich der zottelige, und nach Lulu müffelnde Mann in den arm und sagte. „Du bist in Ordnung meen Junge! Wenn de mal inner Wollankstrasse bist, denn kommste am besten mal inne Molle, da sind nur Typen wie Du und ick!“

Verwirrt über die zweifelhafte Ehre machte ich Feierabend, und bin erst mal zum Frisör gegangen.

Helge Schneider in Berlin

Heute bis Freitag ist Helge Schneider täglich ab 20 Uhr zu Gast im Schillertheater.
Mit seiner Tour “Kampf im Weltall” bleibt der lustige mittlerweile 50 jährige Komödiant und Jazzmusiker, auch zu Beginn seiner zweiten Lebenshälfte der Konzertbühne treu, und zeigt, dass er’s immer noch drauf hat. Karten gibts (sofern es noch welche gibt) unter anderem bei Koka36.

Surfpoeten

Die Surfpoeten sind eine Vereinigung junger Berliner Schriftsteller. Zu ihnen gehören Ahne, Tube, Spider, Stein, Robert Weber und DJ Lt. Surf. Diese treffen sich jeden Mittwoch ab 21Uhr im Mudd Club und lesen vor, was sie die Woche über geschrieben haben. Ihre Werke, von ihnen selbst Surfliteratur genannt sind meistens amüsante, aber in jedem Fall unterhaltsame Kurzgeschichten und Gedichte. Hier ist eine kleine Leseprobe von Ahne:

Eklat an der Wilhelm Pieck-Strasse (von den Nazis Torstraße genannt)

Der Fleischerimbiß an der Wilhelm-Pieck-Str. hat zugemacht. Da wo man Blutwurst mit Bratkartoffeln und Sauerkraut für 3 Mark 20 kriegte und ein lustiges Suppenterrinenschild über der Eingangspforte prangte, da ist jetzt nur noch eine unmenschliche Eisentür aus geschmolzenem Stacheldraht. Der ehemalige Verkäufer, ein beleibter, netter, unfreundlicher Mann, mit Sinn für das Wesentliche muß nun wahrscheinlich im Steinbruch dicke Brocken übereinanderstapeln. Man weiß es nicht, aber möglich ist das schon. Viele Menschen bleiben traurig vor der Tür stehen. Sie haben Hunger, doch jetzt gibt’s hier gar nichts mehr zu essen. Ein Haus weiter ist Burger King. Da kostet allein schon die Bullette mit Schrippe soviel, wie ein normaler Mensch im ganzen Monat nicht verdient. Nur die Reichen, die mit Edelsteinketten und goldenen Kopfhörern ausgestattet sind, dinieren hier und schauen verächtlich auf Fahrradfahrer in billigen Ersatzjeansimitaten herab. Sie können es sich leisten hier zu speisen, denn sie sind Ausbeuter, Fabrikbesitzer zumeist, haben zuhause Flugzeuge rumstehen und inzwischen auch brutale Schläger engagiert, die alles kaputtmachen was ihnen nicht paßt. Vielleicht haben die ja auch den beleibten, netten, unfreundlichen Mann mit dem Sinn für das Wesentliche bedroht, ihm vielleicht Kopfnüsse gegeben, damit der aufhört billiges Essen zu verkaufen. Man kann es nicht wissen, aber möglich ist das schon. Ich weiß wie weh solche Kopfnüsse tun. Früher in der Schule, da war bei uns auch so ein fieser Typ in der Parallelklasse, der hat immer so’ne Kopfnüsse verteilt. Das hat so weh getan, da hatten vor dem sogar die Lehrer immer Angst. Er hat ständig gute Zensuren gekriegt. Mal ‚ ne 1 in Mathematik, mal ne 2 in Russisch, dann wieder ne eins in Mathematik und so weiter. Dabei war der gar nicht so gut. Der konnte glaub ich noch nicht mal schreiben. Man weiß es nicht, aber möglich ist das schon. Der ist jetzt bestimmt auch so ein brutaler Schläger und steht in den Diensten eines Kapitalbesitzers. Da muß man sich doch langsam mal fragen, ob hier nicht einiges gewaltig schiefläuft. „Läuft hier einiges gewaltig schief?“ Ja, lautet die Antwort. So schief, daß man sich bequem irgendwo auf den Hosenboden setzten könnte und runterrutschen. Aber wohin geht’s da? Nach Hause sagt jemand aus der ersten Reihe. Falsch sage ich. Nach Hause is immer bei Mutti und da geht’s nämlich bestimmt nicht hin. Sondern, ich würde eher sagen, in den Abgrund, da wo böse Monster wohnen und wo’s ziemlich stinkt und wo Matsch rumliegt, da geht’s nämlich wahrscheinlich vielleicht hin. Man weiß es nicht aber möglich ist das schon.

„Warum setzt du immer so viele vielleicht und wahrscheinlich und möglich vor alles, was du sagst“ fragt wieder der Jemand aus der ersten Reihe. Ich glaube der Jemand ist ziemlich doof vielleicht. Es ist doch schließlich sonnenklar, daß wenn etwas in der Zukunft liegt oder in der Vergangenheit lag oder jetzt grade wo Gegenwart ist, daß da jedenfalls … das kann man doch wohl schreiben! Ist doch wohl meine Sache! Der soll nicht so blöd fragen! „Du bist bestimmt auch so einer von denen, die dem netten, beleibten, unfreundlchen Mann mit dem Sinn fürs wesentlich eine Kopfnuss gegeben haben, vielleicht!“ Man weiß es nicht, aber möglich ist das schon. Naja.

Jedenfalls werde ich solange kämpfen bis dieses System der Burger Kings und der nette, beleibte, unfreundliche Männer müssen dicke Brocken übereinanderstapeln in Grund und Boden vernichtet und mit Stumpf und Stiel, na ihr wißt schon vielleicht.